Dienstag, 23. Juli 2013

B E R L I N - PART l

Es war dieser Moment, dieser eine Moment wo du einfach nicht mehr kannst, wo du nur noch die Möglichkeit hast zwischen Selbstmord oder Flucht, wobei im Prinzip beides das gleiche ist. Es war die Entscheidung zwischen Tür und Angel, zwischen System und Freiheit, zwischen Tod und Leben. Ich war tot, die Hälfte meines Lebens war ich wirklich tot, innerlich. Kein einziger Funken Hoffnung, kein bisschen Liebe, einfach nur eine funktionstüchtige Hülle und ich war es satt. Ich hab nur noch funktioniert, weil ich Mama stolz machen wollte, weil ich ein Versprechen gegeben habe, weil ich zu feige war und ich war es satt. Es war eigentlich ein schöner Tag, als ich meine Mutter das erste Mal so gesehen habe, wie sie wirklich ist und es hat mir das Herz gebrochen sie so zu sehen. Ja wirklich, es hat mir das Herz gebrochen, zu sehen wie arm sie ist, an Gefühlen, an Respekt, an Hoffnung und wie süchtig sie einfach nach Materie ist, nach Hass und nach Anerkennung. Als sie nach einem Streit, wo sie mich zutiefst beleidigt und gedemütigt, geschlagen und mir mein letztes bisschen Stolz genommen hat, an meine Formeln, Fotos, Gedichte, Zeichnungen und an meine Inspirationen gegangen ist, als sie sie alle runter riss, all das was ich bin, da war es komplett mit mir aus. Körperliche Gewalt halte ich aus, auch ihre Schläge hielt ich in diesen Momenten aus, ich kenn es und ich bin ein hartes Mädchen, ich kann gut wegstecken, aber dieses psychische, dass finde ich grausam. Durch meine Texte, meine Kunst, meine Musik kann ich mich ausdrücken, meine Hülle verrät fast bis nichts über mich, sie hat mich zerstört, mein Leben unwiderruflich in Stücke zerrissen, mit Füßen getreten und es genossen. Als sie da lag, dieses Wesen vor mir und ich immer fester zutrat, erfüllte es mich mit so einem Glück, dass ich es kaum in Worte fassen kann.
Ich habe sie wirklich geschlagen, meine eigene Mutter, ich habe sie geschlagen, weil sie mir alles genommen hat, was ich habe, weil sie mich in dem Moment umgebracht hat und selbst, wenn ihr jetzt denkt, dass ich ein Arsch bin, so habt ihr Recht, aber ihr hättet nicht anders reagiert.
Und nun stand ich da in Trümmern und ich war so ohnmächtig und ich wusste nicht wohin, ich wollte nicht mehr, ich war am Ende, ich war kaputt vom rebellieren, kaputt von funktionieren, kaputt vom kämpfen, kaputt vom leben, ich war kaputt.
Ich weiß, noch das ich meine Sachen gepackt habe und ich wusste nicht, dass ich mich so schnell  bewegen konnte. Sie stand schon wieder und schrie mich an, ich riss das letzte Bild von der Wand und warf es zu Boden, es sollte mich nichts mehr halten, nichts mehr - ein Bild von meiner Großen Schwester und mir.
Als Mama weggeschaut hat, hab ich es heimlich eingesteckt und ein paar Scherben, oder auch viele, denn ich wusste nicht wie groß mein Hunger sein würde.
Und so ging ich hinaus, stand vor der Tür, lief hindurch und war ein freier Mensch.
Ich hatte ein paar Briefe, ein paar Klamotten, ein paar Scherben und entsetzlichen Ritzdruck, lief raus, warf meine Sachen hinter die Mülltonne in unserer Einfahrt und rannte los, ich rannte einfach und die ganzen Leute blieben stehen, denn mein Arm blutete wie sau und ich weinte, aber ich war zu schnell für sie, die Leute zu unverständissvoll für mich, ich wusste: verdammt du musst hier weg.
Ich überlegte nicht lange und fuhr auch dann am 02. Mai los, denn der Entschluss stand nach einer Anzeige wegen Körperverletzung fest. Ich musste abtauchen.

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